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 © Hochschule Ostwestfalen-Lippe | Stand Juni 2017

Der Aufbau der heutigen Designsammlung unter der ursprünglichen Bezeichnung ‚Sammlung Möbel und Innenarchitektur’ begann mit dem Jahr 1988, durchgeführt von den Professoren Felix Nitsch und Dr. phil. Eckart Bergmann in Kooperation mit dem Landesverband Lippe.


Ziel war es, eine instruktive Ausstellung zur Möbelkultur aufzubauen. Sie sollte einerseits eine neue Abteilung des Lippischen Landesmuseums generieren, und zum anderen die Gestaltungslehre des Fachbereichs 1 der damaligen Fachhochschule Lippe mit Anschauungsobjekten ausstatten. Eine zweite Ebene bestand im Auftrag des Museums, die Regionalkultur abzubilden, sowie in der spezifischen Tradition der Lehreinrichtung. Die Sammlung war diesbezüglich dazu konzipiert, als Reflektor der Bedeutung Ostwestfalens als eine der maßgeblichen Möbelregionen Deutschlands zu wirken. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden und werden in einem Umkreis von 50-100 km um Detmold Möbel produziert. Insbesondere seit der Jahrhundertwende kann man von einem gewichtigen Zentrum der deutschen Möbelindustrie sprechen, das von Herford ausgehend bis Bad Oeynhausen-Bünde beziehungsweise bis Rheda-Wiedenbrück, und von Detmold ausgehend bis Bad Salzuflen beziehungsweise bis Steinheim wirkte. 1893 entstand in diesem Kontext eine private Tischler-Fachschule in Detmold, die über ihre Entwicklung als Staatliche Fachschule und Fachhochschule inzwischen mit dem Fachbereich 1 der Hochschule Ostwestfalen Lippe, der sich ‚Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur’ nennt, nun in einer über 120 Jahre alten Lehrtradition steht. Diese Bedeutung des Standorts sollte sich in einer Lehrsammlung widerspiegeln, die nicht nur die Klassiker des Möbelbaus von der Mitte des 19. Jahrhunderts an, sondern auch die zeitgenössischen Erzeugnisse ansässiger Produzenten zeigt.


Als erster und bis heute genutzter Standort der Sammlung wurde ein Ausstellungsbereich im Dachstockwerk im Kornhaus-Gebäude des Lippischen Landesmuseums eingerichtet. Er profitiert dabei von der zentralen Lage in der Detmolder Altstadt, unmittelbar an der Wasserfläche der Ameide.

Zur Basis der Sammlung gehörte ein Teil der Klassischen Moderne-Kollektion des Sammlers Alexander von Vegesack, dem Gründungsdirektors des ein Jahr später eröffneten Vitra Design Museums. Mit der Designsammlung sollte in den kommenden Jahrzehnten eine der bis heute äußerst seltenen Lehr- und Schausammlungen deutscher Hochschulen und Akademien entstehen. Kontinuierlich wurden nun Ausstellungen zu den in der Lehre behandelten Themenkomplexen und zur Gesamtdarstellung des Fachbereichs veranstaltet, so unter anderem im Foyer des Standorts, dem Lippischen Landesmuseum, im benachbarten Schloß Detmold oder auch in Kooperation mit anderen Museen.


Im Jahr 2009 stellte das Lippische Landesmuseum unter dessen damaligem Leiter Prof. Dr. rer. nat. habil. Rainer Springhorn zwei zusätzliche Geschosse in der Zehntscheuer zur Verfügung, um dort eine didaktisch neu aufbereitete Ausstellung unter dem Sonderaspekt des ‚Sitzmöbels’ einzurichten. Diese wurde im Rahmen der Lehre an der Hochschule erarbeitet und durch die Absolventin Dipl.-Ing. Jasmin Schellmann gestaltet. Nach der kooperierenden Ausführung durch das Büro zwischen_raum Detmold konnten die aufwändig ausgebauten Schauräume im Juni 2010 eröffnet werden. Auch unter dem seit 2011 tätigen neuen Museumsleiter Dr. phil. Michael Zelle setzt sich die gewinnbringende Zusammenarbeit der beiden Akteure Hochschule und Museum fort, werden die optimale Präsentationsbedingungen und eine museumsadäquate Magazinierung ermöglicht.  


Die Sammlung umfaßt heute über 150 Objekte von 1850 bis in das 21. Jahrhundert, darunter auch eine ‚Frankfurter Küche’. Hochschulseits fungierten als Fachkuratoren der Sammlung zuerst Prof. Felix Nitsch und Prof. Dr. phil. Eckart Bergmann, ab 2005 folgte Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Nether, der als Produktdesigner den Ausbau der Sammlung auch weiterhin begleitet. 2014 übernahm Prof. Dr. phil. Andreas K. Vetter die Kuratierung. Auch ohne ein eigenes Budget bemüht man sich beständig um Stiftungen internationaler Möbelhersteller und Kontakt zu engagierten Privatpersonen, um die Fortschreibung des historischen Bestands im Sinne der permanenten Aktualisierung zu ermöglichen, die für eine Lehrsammlung unverzichtbar ist.

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Die Sammlung ist im Lippischen Landesmuseum Detmold ausgestellt. Sie befindet sich dort mit dem größten Teil ihrer Exponate über drei Geschosse verteilt. Das Zehntscheuer-Gebäude des Ensembles der Museumsbauten zeigt in seinem 1. Stockwerk und dem Dachgeschoß die Dauerausstellung ‚Sitzen’.


Um die Vielzahl der gezeigten Möbel sinnvoll zu gliedern und mit der Präsentation zudem auch noch allgemeine Grundsätze des Produktdesign vermitteln zu können, wurden sechs Kategorien gebildet: Hocker, Ideen und Gestaltung, Produktion und Markt, Material und Technik, Entspannen, Arbeiten.


Einige der Möbel dürfen ‚besessen’ werden, um auch das körperliche Erleben der Kultur des Sitzens zu ermöglichen.


Der zweite Teil der Sammlung befindet sich im benachbarten Kornhaus-Gebäude. Dort wurde das obere Dachgeschoß komplett für deren Aufstellung eingerichtet und zeigt dort nicht nur Sitzmöbel, sondern auch Tische, Schränke oder auch Garderoben aus dem Zeitraum von circa 1860 bis 1990. Beeindruckende Exponate sind die Sammlungsgruppen der Bugholzmöbel und der Klassiker der modernistischen Avantgarde um 1928.